66 Milliarden Euro Einsparpotenzial: Chance des Verteilnetzpakets nutzen

BSW-Solar fordert Digitalisierung, einheitliche Standards und effizientere Netznutzung im Gesetzgebungsverfahren / Agora-Studie beziffert Einsparpotenzial beim Verteilnetzausbau bis 2045

Das geplante Verteilnetzpaket bietet die Chance, bestehende Stromnetze effizienter zu nutzen und die Kosten ihres Ausbaus deutlich zu senken. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) fordert, das Gesetzgebungsverfahren für eine konsequente Digitalisierung, einheitliche technische Standards und wirksame Anreize zur Netzoptimierung zu nutzen. Die Beschleunigung von Planung und Genehmigung müsse durch Maßnahmen für eine bessere Nutzung der vorhandenen Netzkapazitäten ergänzt werden.

„Erfolg und Effizienz der Energiewende hängen maßgeblich von einer Verbesserung der Netzregulierung ab. Eine effizientere Netznutzung verringert den Netzausbaubedarf und senkt die Kosten“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.

Eine aktuelle Agora-Studie zeigt, dass durch innovative Maßnahmen in Netzplanung und -betrieb der Investitionsbedarf für den Verteilnetzausbau bis 2045 um rund 27 Prozent gesenkt werden kann – das entspricht rund 66 Milliarden Euro.

Um dieses Einsparpotenzial zu erschließen, sollte das Verteilnetzpaket aus Sicht des BSW-Solar die Digitalisierung auf allen Netzebenen voranbringen, besonders auf der Mittel- und Hochspannungsebene. Denn Messtechnik bildet eine wesentliche Grundlage für eine dynamische Netzzustandsermittlung, belastbare Auslastungsprognosen und einen dynamischen Netzbetrieb.

„Große Teile der Infrastruktur werden von den Netzbetreibern derzeit statisch und teilweise im Blindflug betrieben“, sagt Körnig. Durch den Mangel an Transparenz über die Auslegung der Netze seien die verfügbaren Netzkapazitäten und das Ergebnis der Netzanschlussprüfung oft nicht nachvollziehbar. Deshalb sei eine umfassende Digitalisierung der gesamten Infrastruktur erforderlich. Notwendig seien die Erhebung von Echtzeitdaten des Netzzustands sowie Prognosedaten zur Netzauslastung in der Hoch- und Mittelspannung.

„Der heutige Handlungsdruck ist nicht allein auf den zu langsamen Netzausbau der vergangenen 15 Jahre zurückzuführen. Auch die unzureichende Digitalisierung der Netze hat dazu beigetragen. Sobald Transparenz über die tatsächliche Auslastung besteht, lässt sich der Betrieb der Netze optimieren und die Auslegung dynamisieren“, erklärt Körnig.

Weitere Einsparpotenziale ergäben sich durch eine Standardisierung von Prozessen und Anforderungen. Auch dafür sollte das Verteilnetzpaket verbindliche Grundlagen schaffen. Hierzu gehören unter anderem einheitliche Prozesse und Datenformate sowie bundeseinheitliche technische Anschlussbedingungen (TAB). Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) sollte daher nach Auffassung des BSW-Solar ermächtigt werden, harmonisierte und transparente Auslegungsregeln für die drei Spannungsebenen des Verteilnetzes sowie damit verknüpfte Regeln für die Netzanschlussprüfung verbindlich festzulegen.

„Der Fokus des Pakets darf nicht allein auf Erleichterungen bei Planung und Genehmigung liegen. Es muss auch die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen“, sagt Körnig. Deshalb fordert die Interessenvertretung der Solar- und Speicherbranche im Rahmen des Verteilnetzpakets pauschale Ausgleichsansprüche bei Verstößen gegen wesentliche Pflichten der Netzbetreiber. Nur ein ausgewogenes System aus Negativ- und Positivanreizen schaffe die Voraussetzungen dafür, dass Netzbetreiber ihre Energiewendekompetenz zügig ausbauen und so Investitionen in Digitalisierung, Flexibilität und moderne Netzführung tatsächlich umsetzen.

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